Neues Leben in Andalusien

Wahrscheinlich ging es Dir auch schon mal so. Du bist reif für die Insel. Auswandern, neu anfangen, hier alles hinhauen und einfach weg.
Aber für viele bleibt es nur ein erster Impuls, oder Tagtraum, weil hier mal wieder alles blöd ist. Kurze Zeit später arrangiert sich wieder, mit seinem Schicksal, dem dem Mutterland, dem Alltag, und bleibt wo man ist.

Wenn du dich wirklich für das Auswandern interessierst, oder beginnst, ernsthaft darüber nachzudenken, haben wir in den nächsten Monaten einige wertvolle Tipps und Empfehlungen parat.

Wir starten mit einer Reihe von interessanten, spannenden und informativen Interviews mit verschiedenen Auswanderern.

Unser nächster Weg führt nach Spanien. Nach Andalusien, um genau zu sein.

Interview zum Thema Auswandern mit Stephanie Hahn – Andalusien

Hallo Stephanie, bitte stell dich kurz vor.

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Stephanie, 47, Texterin. Mit Sack und Pack ausgewandert und glücklich.

Tja also, ich bin Stephanie, 47 Jahr jung, verheiratet und habe 3 Kinder. Die Älteste ist 23 und der Jüngste 11.

Was war der Grund für den Umzug nach Andalusien?

Wir haben das Spanien irgendwie schon immer geliebt und für uns war eigentlich klar, dass wir unseren Ruhestand in Spanien verbringen wollten. Dann kam es aber alles irgendwie anders ☺ Wie das Leben eben so spielt.
Ich selbst war schon seit einigen Jahren als Texterin mein eigener Chef und nachdem mein Mann sich eben auch als Texter selbstständig macht, kam uns die Idee, dass wir nun alle Möglichkeiten hätten, auszuwandern. Gesagt – getan ☺

 

Wie lange bist Du schon in Andalusien und auf welchem Wege bist Du hergekommen?

Wir sind jetzt seit 2014 in Andalusien und bereuen noch keine Sekunde davon. Natürlich haben wir überlegt, dass wir mit dem Auto die Reise antreten. Aber naja vollgepackt und ein Kind dabei fanden wir dann nicht ganz so prickelnd für unseren Sohn. Aus diesem Grund haben wir uns ein One-Way-Ticket gekauft und sind nur mit einigen Koffern nach Spanien. Die Kisten, die wir noch hatten – viel war es nicht – sind per Spedition gekommen.

Wie schwierig waren die bürokratischen Hürden für die Einwanderung in deinem Fall?

Es war schon recht schwer. Vor allem auch, weil wir nicht perfekt Spanisch sprechen konnten. Auch wenn man denkt, dass es ein EU-Land ist, ist es nicht ganz einfach, hier die so wichtige NIE zu bekommen.

Die N.I.E ist nicht leicht zu bekommen. Aber ohne diese Nummer geht nichts!

Ohne die NIE kannst du praktisch nichts machen. Weder ein Bankkonto eröffnen noch einen Handyvertrag abschließen. Wenn man Pech hat, bekommt man noch nicht einmal ein Paket ausgehändigt, wenn man keine NIE hat.

Dass dies aber so schwierig ist, auf die Idee wären wir niemals gekommen. Mittlerweile hat sich das aber alles nochmals geändert und ohne Arbeitsvertrag eine NIE zu erhalten ist fast aussichtslos. Es sei denn, man kauft ein Haus. Dann ist das was anderes. Meine Tochter kämpft auch noch! Obwohl wir alle eine NIE haben, bekommt sie keine ohne Arbeitsvertrag.

Was liebst Du an Andalusien am meisten, bzw. was gefällt Dir am Leben in Andalusien am besten?

Die Lebensqualität. In Deutschland lebst du nur, um zu arbeiten, hier arbeitest du, um zu leben. Wir müssen mehr arbeiten als in Deutschland, doch das macht uns nichts aus, weil einfach die Lebensqualität um ein Vielfaches höher ist.

Auch die Menschen sind hier freundlich, herzlich, die Kinderfreundlichkeit ist der Wahnsinn und in einer guten Nachbarschaft, braucht man fast nichts mehr kaufen. Alles, was die Nachbarn zu viel haben, wird verteilt und das ganz ohne Hintergedanken.

Wir haben einen Opa adoptiert.

Wir haben hier einen alten Mann in der Nachbarschaft, den wir als Opa adoptiert haben. Es vergeht keine Woche, in der er nicht irgendetwas für uns hat. Von Migas über Paprika und Tomaten bis hin zu Melonen oder auch Essen im Allgemeinen, was sie gerade frisch aus dem Ofen kommt. Es ist einfach herrlich und immer ein Geben und Nehmen. Und wenn du kein Land hast, sprich kein Gemüse oder Obst, dann bringt man eben mal was Leckeres aus dem Laden mit. Unser Opa liebt Kekse über alles, also kaufen wir einfach eine Schachtel und er freut sich wie Bolle ☺ und wir uns auch, weil wir ihm eine Freude bereiten konnten.

Mit was konntest Du Dich bis heute nicht anfreunden in Andalusien?

Puh, so viel gibt es da eigentlich nicht… hmmm da muss ich wirklich überlegen. Naja ok, das mit den Hunden bzw. wie mit den Tieren umgegangen wird, finde ich nicht so prickelnd. Aber wer bin ich, dass ich als Ausländer hierher komme und den Spaniern erzähle, wie sie mit ihren Tieren umgehen müssen.

Spanien beginnt beim Tierschutz umzudenken!

Klar würde ich einschreiten, wenn etwas wäre, aber es steht mir nicht zu die Spanier zu ändern. Das müssen sie schon selbst machen und es muss jeder für sich das Tempo bestimmen. Man merkt, dass sich schon etwas tut und die jungen Menschen ein ganz anderes Tierverständnis haben wie ältere Menschen. Trotzdem braucht es eben seine Zeit. Ein Hund gehört hier zwar ebenfalls überall dazu – aber nur um zu jagen. Die meisten Hunde haben hier noch nicht einmal einen Namen und stirbt der arme Kerl, warum auch immer, dann ist innerhalb von wenigen Tagen ein neuer Hund da. Der alte wird einfach ersetzt. Unverständlich für uns Deutsche, aber ich habe einfach nicht das Recht dazu die Spanier zu kritisieren. Ich erzähle immer, wie es Hunde in Deutschen Familien ergeht, aber wenn der Spanier das nicht so umsetzt, kann ich ihn nicht zwingen. Es braucht eben alles seine Zeit und das Umdenken hat bereits begonnen!

Du betreibst einen Blog LEBEN IN ANDALUSIEN. Erzähl mal um was es da geht?

Mein Blog ist zu dem Zeitpunkt entstanden, als die Idee mit dem Auswandern in die Tat umgesetzt wurde. Erst habe ich nur über das Auswandern geschrieben, mittlerweile ist es aber so, dass ich viel über Andalusien selbst schreibe. Naja, was soll ich auch mein komplettes Privatleben ins Internet stellen ☺ Wir erkunden Strände, Hotels und auch Bars und Restaurants und zudem gibt es immer wieder ein spanisches Rezept im Blog. Auf meinem Blog gibt es alles zum Thema Urlaub in Andalusien. Natürlich kommt auch ab und zu mal ein privater Artikel, wenn etwas Besonders war oder so. Also ein wenig lasse ich meine Leser natürlich auch am Privatleben teilhaben. Auf der Facebook-Seite ist das eher etwas privater und ich poste, wo ich gerade bin, was wir machen und ab und zu betreibe ich Foodporn ☺ aber nicht ganz so oft.

Welche großen Unterschiede kannst du zwischen dem Leben in Deutschland und Andalusien feststellen?

Oh je, da gibt es große Unterschiede, sehr große. Die Menschen leben hier miteinander und nicht gegeneinander. Rassismus ist hier natürlich auch vertreten, aber so etwas wie in Deutschland gerade passiert, habe ich hier noch nie erlebt.
Außerdem und das finde ich faszinierend, gibt es hier nicht so ein Getratsche und peinliches Gelächter, wenn eine kräftige Frau einen Mini oder kurze Hosen trägt.. Das interessiert hier niemanden! Leben und Leben lassen ist hier das Motto und genau das ist das Schöne.

SOLCHEN Rassismus, wie in Deutschland habe ich hier nicht erlebt!

Was mir auch immer wieder auffällt, ist der Alkoholkonsum – aber im positiven Sinn. Klar, hier wird definitiv mehr getrunken. Ein Wein oder Bier zum Mittagessen ist hier normal und das macht der Polizist wie auch der Banker. Trotzdem sieht man einer Fiesta kaum betrunkene Spanier. In Deutschland kenne ich es noch so, dass um 22 Uhr die ersten jungen Leute total betrunken waren und um spätestens 23 Uhr der erste Notarztwagen da ist. Das habe ich hier noch nie erlebt!!!

Auch was Tolles sind die Feste hier. Ok, für meine Begriffe könnten sie etwas früher beginnen – ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste. ☺ Aber hier fängt die Band um frühestens 23 Uhr an zu spielen. Und das glauben viele nicht, die spielen tatsächlich so lange, bis auch der letzte Gast gegangen ist. Und wenn das morgens um 10 ist, dann ist das eben so. Da beschwert sich keiner der Nachbarn oder so. Nö, die feiern eben alle mit! Kaum auszudenken, was da in Deutschland los wäre, wenn die Band bis morgens um 10 Uhr trällert hahahaha

Wie finanzierst du deinen Lebensunterhalt?

Wie ich ja oben schon geschrieben habe, bin ich Texterin. Ohje was ist denn das, werden sich viele jetzt fragen. Ganz einfach. Ich schreibe Texte für das Internet. Das heißt jeder, der eine Webseite hat, ob geschäftlich oder privat, kann bei mir anfragen, ob ich Texte für die Seite schreiben möchte. Das geht bei einfachen Produktbeschreibungen zu Bekleidung beispielsweise los, läuft über Reiseberichte und endet bei großen Gesundheitsratgebern, die schon fast ein Buch sind. Man könnte auch sagen, alles was im Internet an Text steht, könnte zum Beispiel aus meiner Feder stammen.☺

Ist es leicht Arbeit zu bekommen?

Hohe Arbeitslosigkeit erfordert eine gewisse Planung.

Nein, definitiv nicht. Andalusien hat eine sehr hohe Arbeitslosigkeit. Hier gibt es zu 70 Prozent nur Gelegenheitsjobs. Wer auswandern möchte, kann dies nur tun, wenn er bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche hat oder sich selbstständig macht. Oder aber, man hat so viel gespart, dass man nicht mehr arbeiten muss und das Leben in vollen Zügen genießen kann.

Hattest Du schon mal Heimweh? Wenn ja, was hast Du dagegen getan?

Nein, ganz klar NEIN ☺

Kannst du dir vorstellen, irgendwann wieder nach Deutschland zurückzukehren?

Nein auch nicht. Ich muss aber sagen, ich weiß nicht, was die Zukunft bringt und möchte es daher nicht ausschließen.

Welche spezielle Tipps würdest du jemandem geben, der nach Spanien auswandern möchte?

Auswandern nicht mit Urlaub verwechseln.

  • Bitte das Auswandern nicht mit Urlaub verwechseln. Auch hier muss man seine Brötchen verdienen und kann nicht den ganzen Tag unter Palmen liegen. Das vergessen leider viele, fallen bitterböse auf die Nase und müssen wieder nach Deutschland. Das Leben ist auch hier kein Zuckerschlecken und von nix kommt nix!!! Wir arbeiten hier definitiv mehr, aber das Lebensgefühl macht das alles wieder wett. Natürlich muss hier auch der Rubel rollen, damit wir hier leben können, aber es geht irgendwie viel entspannter zu. Das macht schon viel aus.

Trau schau wem! Falsche helfer können Geld kosten

  • Wichtig ist natürlich auch, dass man genug Geld auf der hohen Kante hat, um sich zumindest ein Jahr über Wasser zu halten und natürlich sollte jeder, der auswandert, die Sprache des jeweiligen Landes können. Außerdem sollte man sich die „Landsleute“, die einem helfen wollen, genau anschauen. Es gibt leider ein Sprichwort, das wahr ist: „Hüte dich vor Sturm und Wind und Deutschen, die im Ausland sind!“ Wir haben bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht (ist hier auch schwer, da es in unserer Ecke kaum Deutsche gibt) aber ich kenne viele, die gnadenlos abgezockt wurden ☹ Traurig aber wahr!

Dein Bauch ist Dein bester Ratgeber!

  • Ansonsten kann ich nur jedem den Rat geben, auf sein Bauchgefühl zu hören – egal, ob beim Job, bei der Anmietung oder dem Kauf einer Wohnung und natürlich auch bei „Bekannten“ und „Helfern“. Auf das Bauchgefühl kann man sich in der Regel verlassen!!
  • Wer Fragen hat, kann sich jederzeit gerne bei mir auf dem Blog umschauen oder auch meinen kleinen Auswanderer Ratgeber für kleines Geld kaufen. Hier gibt’s ein paar Informationen zum Auswandern aber auch private Dinge, wie es uns mit den Behörden ergangen ist etc.

Liebe Stephanie, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg für Dich und eine Familie in Andalusien.

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