Upcycling Möbel mit kultureller Integration

Während sich der Okzident noch mit dem eigentlichen Upcycling von alten Werkstoffen beschäftigt, hat das Design im Orient bereits seinen ganz individuellen Zugang zu der Materie gefunden.

Bei einem Flug in die Emirate fand ich in einer zerrissenen Zeitschrift einen Bericht über Bokja und konnte meine Augen nicht mehr von diesen schönen Einzelstücken lassen. Wir mußten einfach mehr erfahren.

Wer oder Was ist Bokja und WO kann man diese phantastischen Stücke in Europa erstehen.

 

Was ist Upcycling ?

Der Trend, aus alten Materialien wieder etwas neues zu Schaffen. In unserer Wegwerfgesellschaft fliegt so vieles auf die Mülldeponien, wird ausgemistet und weggeworfen. Hier beginnt der Ansatz, sich unserer Ressourcen bewusst zu werden und aus Altem neues zu machen. Upcycling – ein neues Wort für Recycling aber mit einer gewissen Aufwertung Gegenstands.

https://de.wikipedia.org/wiki/Upcycling

Bokjas Philosophie hinter dem Upcycling

Der gedankliche Ansatz hinter den ausgesprochen schönen Designer Möbeln und Accessoires von Huda Baroudi and Maria Hibri  kann nicht poetischer sein. Alte Traditionen mit der neuen Welt verbinden damit das Alte in der Zeit des Umbruchs nicht verloren geht. Uralte orientalische Traditionen und Textilien werden mit neuer Funktionalität versehen, die auch das westliche Auge mehr als nur  anspricht.

Noch haben wenige Europäische Unternehmen und Agenturen diesen Schatz des Orients entdeckt. Was nun aber genau hinter Bokja steckt haben wir  in einem Interview gefragt.

© Bokja Design

Huda Baroudi and Maria Hibri im Interview

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Durch einen gemeinsamen Freund, der feststellte, dass wir die gleiche Leidenschaft für kulturelle Textilien und Second Hand Möbelstücke teilen. Von da an begannen wir an unserer ersten gemeinsamen Kollektion zu arbeiten. Und nach dem ersten Erfolg kam die Idee von Bokja.

Wie kam es zu Bokja? Was bedeutet der Name Bokja?

Bokja ist ein Wort türkischen Ursprungs bedeutet Bündel oder ein Stück Stoff, das verwendet wird, um seine Sachen einzuwickeln. Das ist eine schöne Tradition. Eine typische Bokja ist immer mit  Handstickerei verschiedener Generationen der Familienmitglieder versehen.

Die Bokja Design-Werkstatt übernimmt diese Art des textilen Geschichtenerzählens.  Wir sehen uns als Pioniere, die die lokale kulturelle Tradition zum Einen bewahren, und zum Anderen ihr eine neue textile Identität und  eine modernen Stimme zu geben.

Vor jedem Upcycling findet erst mal Brainstorming statt.
© Bokja Design

 

Was war die Inspiration hinter der Marke?

Wir nehmen unsere Inspiration aus unserer Umgebung. Aus Beirut, die Stadt ähnelt einer Assemblage also einer Collage,  wo das Alte, Existierende  mit neuen und orientalischen Traditionen kämpft, um am Leben zu bleiben. Auch durch die modernen westlichen Einflüsse. Das Land selbst liegt zwischen Alt und Neu, Ost und West, kämpft mit Fragen der Identität und seiner Unbeständigkeit. Dementsprechend ist hinter Bokja’s Fabrikationen  eine zugrundeliegende Identitätsfrage. In einem Prozess werden Eindrücke gesammelt, weiterentwickelt, angepasst und um es letztendlich für alle nutzbar zu machen.

Was sind Ihre persönlichen Philosophien, wenn es um Design geht? Was ist Design für Sie?

Bei Bokja sind wir eine Gruppe von Entdeckern. Durch Handel und unsere Reisen sammeln wir Farben, Muster und Ideen und integrieren diese in unsere Prozesse. Wir sammeln Fragmente aus verschiedenen Zeiten und Orten und erstellen ungewöhnliche Arrangements.  Das Gegenüberstellen von unterschiedlichen Gegenständen und Oberflächen ist etwas, was wir gerne tun. Für uns ist Design das Entdecken einer neuen Funktionalität der alten Dinge, die durch die gemeinsame neue Geschichte aber zu einem breiteren Publikum Zugang finden sollen.

Begabte Handwerker kümmern sich um die Umsetzung der Ideen.
© Bokja Design

Was halten Sie heute von der Design-Szene im Libanon?

Beiruts Kunst-und Design-Szene wächst schnell und stetig, mit vielen aufstrebenden Designern die überall aufblühen. Es ist erfrischend, die junge individuelle Generation zu beobachten wie sie sich engagieren. Sie beginnen, eine regionale Ästhetik neu zu definieren.

Haben Sie Designer, die Ihre Arbeit inspiriert haben?

Von Anfang an waren wir begeistert von den handgefertigten Stickereien an der Seidenstraße, ihrem unerschütterlichen Tempo beim Bearbeiten eines Textils, dem Einsatz von Farbe und Muster und ihrer intensiven persönlichen Assoziation mit dem geschaffenen Objekt.

Parallel dazu wurden wir in der Mitte des Jahrhunderts von der makellosen Präzision europäischer und amerikanischer Hersteller konfrontiert und verzaubert, mit der Fähigkeit der für uns fast alchemistischen anmutenden Industrie, Material zu verändern und Stücke in großen Mengen zu produzieren. Wir lebten zwischen diesen beiden schockierend unterschiedlichen Welten.

Was ist ein typischer Tag im Leben einer Designerin?

Wir teilen unsere Zeit, zwischen schweren Brainstorming-Sessions, Sichtung von interessanten Materialien und Möglichkeiten der Manipulation dieser Werkstoffe, auf.

Unser Atelier besteht aus einer Gruppe von sehr talentierten Handwerkerinnen und Handwerkern  aus der Region, die wir für die Umsetzung von Bokja-Objekten beschäftigen. Unser Atelier ist ein offener Raum, der ständig Besucher empfängt und zum spontanen Feedback einlädt; Dies ist für uns eine angenehme Ablenkung, die wir laufend während des Arbeitstages haben.

Wohin geht der Weg von Bokja in der Zukunft?

Bokja versucht, seine Horizonte durch die Zusammenarbeit mit spannenden und interessanten Agenturen und Einzelpersonen zu erweitern. Dadurch können wir unsere textiles Know-How stärken und lassen uns einfach von neuen Möglichkeiten angenehm überraschen.

Was denken Sie, sind die Trends, was das Design angeht?

Zusammenarbeit ist alles. Es besteht die Notwendigkeit, einer Kultur der Zusammenarbeit und Konvergenz zwischen Menschen verschiedener Bereiche und dem  Designer selbst weiterzuentwickeln. Außerdem ist es wichtig, wie wir Technologien nutzen, um den Designprozess und das Erreichen eines breiteren Publikum zu verbessern oder zu unterstützen.

Vielen Dank für das Interview!

 

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