Es gibt Dinge im Leben…

…die macht Mann einfach lieber alleine. Schon immer war mein Traum den Mount Everest zu sehen und auch Tibet und seine Kultur haben mich gereizt . Als überzeugter Agnostiker werden Sie in diesem Artikel jetzt keine spirituellen Höhenflüge erwarten können. Aber einige Tipps zu Reisen in Tibet, meine persönlichen Eindrücke zu aktuellen Situation in diesem polarisierenden Teil Chinas. Einige Dinge werden dem Leser nicht gefallen. Ich schreibe darüber weil es eben so ist. Ausserdem warten auf Euch Leser einige schöne Aufnahmen die ich auf meinem Weg zum Kailash machen konnte. Aufgrund des massigen Film und Fotomaterials haben wir die Fotos auch auf Instagram/Vimeo bereitgestellt. Gerne zum Ansehen. Bitte jedoch das Copy Right beachten. Bei Interesse an Aufnahmen bitte an office@lifestyleluxurybrigade.com.

 

© Peter Wenauer / LSLB

Schummel Visum

Ein Einreise Visum für Tibet zu erhalten ist nicht leicht, bzw. teilweise fast unmöglich. Darum wurde offiziell eine China Rundreise gebucht, mit entsprechend harmlosen Reiseverlauf, den man für das Visum braucht. Von Wien nach Tscheng Tu danach weiter nach Lhasa Dort wird man dann von  dem Reiseveranstalter abgeholt, der den tatsächlichen Reiseverlauf hat. Leider gehts nicht ohne Schummeln.

Lhasa Stadt der Gegensätze
Lhasa Stadt der Gegensätze

In Lhasa einer ziemlichen „Dreckstadt“ werde ich wahrscheinlich  das letze mal warm duschen können. Später ist dann nix mehr mit heissem Wasser. Ich treffe nun zum ersten mal auf meine Reisegruppe. Ziemlich bunter Haufen. Vom Priester, über die obligatorischen deutschen Weltreisenden bis zum Universitätsprofessor. Alles dabei. Von tief religiös bis total abgehoben. Ich bin mir nicht sicher, was die Leute denken, wenn ich ihnen erkläre, daß mir der ganze spirituelle Unsinn absolut nicht interessiert. Der Mann aus Fidji (im folgenden „Fidji Guma“ genannt)  meint todernst, es sähe hier genau so aus wie auf seinen Inseln. Der Typ aus Sri Lanka,  ebenfalls Namens Guma, ist überzeugt, daß unsere Begegnung schon bei der Geburt festgestanden hat.Ok. das reicht für den Anfang – ich brauch jetzt ein Bier!
Zur Akklimatisierung sind wir nun drei Tage in Lhasa. Vieles wird besichtigt.  Ich merke aber irgendwie nichts gravierendes an der Höhe. Etwas müde vielleicht, aber ansonsten gehts mir tip top. Auch die Anderen scheinen (noch) keine Probleme mit der Höhe zu haben.

Das Hotelzimmer ist ok und auch Lhasa ist beeindruckend.Irgendwie eine Kleinstadt im Nirgendwo. Bausünden stehen Seite an Seite mit Antiken Bauten und Tempeln.  Beim ersten Tempel ist das Interesse auch noch groß. Das wird sich aber im Verlauf der Reise ändern….

Amüsant ist der Debattierklub im Sera Kloster. Hunderte von Mönche stehen in Gruppen und reden lautstark aufeinander ein. Nach einer Frage wird in die Hände geklatscht. Ich überlege grinsend, ob das nicht auch was für unser Parlament wäre.

Abends obligatorischer Skype Call nach Hause – WIFI funktioniert wunderbar. Nur Facebook und Co. ist nicht zu erreichen. Die Yogalehrerin tunnelt sich per VPN  über Dublin ins Netz und ich bekomme ebenfalls den Zugang. OK. Man muss nur wissen wie.

 

„Hey! Wer ist hier der Polizist.“

ein chinesischer Beamte

Auf der Reise ist immer ein chinesischer Beamte mit dabei. Video Überwachung im Bus. Bin mir nicht sicher, ob das wirklich mitgeschnitten wurde, die Kamera schaut eher aus, als hätte sie ihre besten Tage lange hinter sich. Der chinesische Polizist stellt sich aber als ein ganz sympathischer Typ heraus, der sich selbst total auf seine Reise zum Kailash freut. Ich werde das Gefühl nicht los, als ist das eher ein Bonus für ihn, als wirkliche Arbeit. Auf die Mahnung der anderen Gruppenmitglieder, der Fahrer möge doch bitte langsamer fahren meinte er nur „Hey! Wer ist hier der Polizist.“ Und dann zum Fahrer. „Du machst deine Sachee gut. Weiter so.“  Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen.

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Alles klar auf der Andrea Doria
Alles klar auf der Andrea Doria

 

 

 

 

Guma and Peter
Guma and Peter

Freundschaften von Unterwegs © Peter Wenauer / LSLB Magazin

Reisebekanntschaften
Reisebekanntschaften

Männer am Weg © Peter Wenauer / LSLB Magazin

In den Restaurants und Imbiss Buden falle ich mit meinen blonden Haaren und den blauen Augen sofort auf. Spontan kommen einige Leute an unseren Tisch, und zeigen mir verstohlen ihre Amulette mit dem Konterfei des Dalai Lamas unter ihren Togen. Danach ein grinsender Blick und eine Daumen nach oben Geste. Mut wird hier groß geschrieben. Wer mit einem Bild des Dalai Lamas erwischt wird – ich will nicht wissen was dem passiert! Anerkennend nicke ich ihnen zu und mache ebenfalls die Daumen hoch Geste. Verschwörer unter sich. Mir ist nicht ganz  wohl dabei…

 

Die Weltenbummlerin – oder wie man seine Pension gestaltet

Es geht los

Nach drei Tagen Lhasa, Tempel Klöster geht es am vierten Tag endlich nun Überland in Richtung – Yamdrok SeeShigatse. Der eisblaue See ist echt einige Photos wert. Und wieder gibt es einige Kloster zu besichtigen. Die Uralten Schriftrollen haben es mir angetan. Schnell mal unerlaubter Weise ein paar Shoots mir dem Mobile gemacht. Ohne Blitz – versteht sich. Die deutsche Weltenbummlerin, nennen wir sie mal Anette, welche laut ihren Angaben seit vier Jahren bereits unterwegs ist, macht ein Bild nach dem Andern. Ich frage sie, wieviele Bilder sie denn schon gemacht hat und wie sie das mit den vielen Fotos den so  macht. Sie erzählt mir, sie schickt  die USB Sticks heim. Anhand ihrer durchschnittlichen Knips Menge pro Tag errechnen wir bei 600 Bildern/Tag mal 1400 Tage satte 840.000 Bilder. Wenn sie eines Tages nach Hause kommt, ist sie bis zu ihrem Todestag beschäftigt mit der Sichtung und der Erstellung von  Fotobüchern. Ja, auch so kann man seine Pension sinnvoll gestalten.

Auf der Fahrt  komme ich mit dem Priester ins Gespräch. Der Vatikan hat ihn geschickt. Er studiere asiatische Religionen und ist hier auf Studienfahrt. Vom Vatikan bezahlt, versteht sich. Als ich ihm erkläre, daß ich schon vor Jahren aus dem Verein ausgetreten bin, weil der das Geld verschleudert, anstatt seinem Auftrag,den Armen zu dienen nachzukommen, ist er sichtlich verstimmt und wechselt abrupt den Gesprächspartner. Mir doch egal – das musste einfach mal gesagt werden.

 

Schriftrollen im Kloster
Schriftrollen im Kloster

Gebetsrollen gut verpackt © Peter Wenauer / LSLB Magazin

 

Frau mit Gebetsmühle
Frau mit Gebetsmühle © Wenauer / LSLB-Magazin

Frau mit Gebetsmühle © Peter Wenauer / LSLB Magazin

Unser Bus, mit dem es weiter geht
Unser Bus, mit dem es weiter geht

Essen mit Familenanschluss

Am nächsten Tag setzen wir unsere Reise entlang atemberaubender Gebirgslandschaften im Westen Tibets fort. In Sakya machen wir halt um dort das wunderschön gelegene Sakya Kloster zu besuchen. Die Fahrt endet heute in New Tingri, wo wir auch die Nacht verbringen wollen. Bei der Frage ob Fleisch oder Gemüse stehe ich hübsch alleine da. Ich bin von 22 Mitreisenden tatsächlich der einzige Fleischfresser. Das mir das irgendwann auch noch auf die Nerven gehen wird wird, folgt später. Begeistert bestelle ich mir mein erstes Yak-Steak  in einer der beliebten „Homekitchen„. In einem Privathaus wird für uns aufgekocht. Während ich genüsslich an meinem Steak kaue, erfahre ich ein bisschen mehr über meine Tischnachbarin. Sie ist eine „wohlliierte“ Yogalehrerin aus Russland. Freund stinke reich – die Reise war sein Geburtstagsgeschenk. Auch sie glaubt an Vorsehung. Denn in Facebook sei ihr dauernd Werbung über den Kailash aufgepoppt. Das muss ja schliesslich was bedeuten. Ich denke still bei mir. Ja klar, bedeutet Google Ads funktioniert prima.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Debattier Club © Peter Wenauer / LSLB Magazin

Homekitchen
Home Kitchen © Peter Wenauer / LSLB Magazin

 

 

 

 

Yak mit Gemüse
Yak mit Gemüse © Wenauer / LSLB Magazin

 

 

In den nächsten Tagen geht es von New Tingri – Rongbuk dann weiter zum  Mount Everest Basislager –  und  Saga. Wir übernachten in einer 7 Mann Hütte direkt am Basis Camp an denen die Bergsteiger für gewöhnlich ihre Herausforderung beginnen. Und das es eine Herausforderung an den Körper ist, können wir jetzt schon gewaltig nachvollziehen. Die Luft wird hier bereits verdammt dünn. Nicht nur mich zaubert es gewaltig. Das obligatorische Kloster, darf auch nicht fehlen. Diesmal ist es das höchst gelegene der Welt.  Apropos obligatorisch. Die Küche ist hier nicht besonders abwechslungsreich. Ich esse meine erste Nudelsuppe noch mit Genuss. Allerdings, fragt mich doch in ein paar Tagen, wie es mir so mit der Nudelsuppe geht…

Der Abenteurer Peter Wenauer vor dem Basis Camp des Mount Everest
Redakteur vor dem Mount Everest © Peter Wenauer / LSLB Magazin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mount Everest im Sonnenlicht
Mount Everest im Sonnenlicht © Peter Wenauer / LSLB Magazin
Unterkunft Innen
Unterkunft  – Es wird eng gekuschelt im Siebener Zimmer © Peter Wenauer / LSLB Magazin

Geiermangel in Tibet?!

See der Toten

Das Wasser des relativ dreckigen Manasarovar See wird zur spirituellen Reinigung gebraucht, die man VOR der Kailash Umrundung machen sollte. Blöd ist es, wenn aus organisatorischen Gründen jedoch die Route geändert wird und  der Guide dann feststellt, daß man ja jetzt kein heiliges Wasser hat, was bei den gläubigen Teilnehmern zu lautem Unmut führt. Kurzerhand werden von dort ein paar Flaschen des bräunlich ekeligen Wassers organisiert. Die Frage, nach der Sinnhaftigkeit, sich mit dem Muffelwasser zu waschen sei jetzt mal dahin gestellt.

Der Grund warum der See fast kippte war folgender: Aufgrund einer Geierkrankheit die sich epidemisch unter den Tieren verbreitete, waren für die sonst übliche Luftbestattung einfach nicht mehr genügend Tiere vorhanden. Darum entschloss man sich,  die Leichen in kleine Stücke zu  zerteilen und sie den Fischen der umliegenden Seen zu opfern. Dies erklärt auch, warum ein Tibeter kein Fisch isst. Man weiss ja nie, ob vielleicht die Omama darin enthalten ist. Nach dem Glauben muss der menschliche Körper nämlich der Tierwelt zugeführt werden. Mahlzeit zusammen. Diese Tatsache, und die Kälte haben mich übrigens von meinem heroischen Vorhaben, auch mal ne Runde schwimmen zu gehen, abgehalten.

 

Hier will keiner trinken!

 

© Peter Wenauer

Himmelsleitern für die Geister © Wenauer / LSLB-Magazin
Himmelsleitern für die Geister © Wenauer / LSLB-Magazin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da waren’s nur noch 21

Erste Ausfälle

In Darchen treffen wir nun auch auf andere  Pilger, denn hier beginnt die eigentliche Umrundung des heiligen Berges. Der Mount Kailash ist aus Rücksicht auf vier Religionen, dem Hindusimus, Buddhismus, Bön und Jainismus bis heute unbestiegen.
Sogar „Yeti Jäger“, Reinhold Messner hat eine  offizielle Einladung zur Erstbesteigung ausgeschlagen.

Einige in unserer bunten Truppe gehen nicht. Sie reiten hoch zu Pferde, die hierfür überall rumstehen. Fidji Guma und Sri Lanka Guma vorne weg.  Ein weiterer, nennen wir ihn P.K. geht es nicht gut. P.K. hat Zucker. Kein großer Wert. In seinem Stadium muss er lediglich Tabletten einnehmen. Was aber P.K. nicht wusste ist, daß auch mit der Höhe der Zuckerwert steigt. Mit einem 30er ist nun einfach schwer zum pilgern. die Höhenkrankheit schlägt zu und das große Problem – hier auf der Hochebene braucht man drei Tage um auf 3.800 Meter runter zu kommen. Wir bringen ihn ins nächstgelegene Krankenhaus, wo er die Nacht verbringt. Am nächsten Tag wird er ins nächste Krankenhaus auf der Strecke gefahren. Sauerstoffflaschen sind seine ständiger Begleiter.

Der Pferdevermittler ist sichtlich nervös und will von unserem Guide wissen, ob der Mann auf seinem Ross denn gestorben sei. Bzw. noch AUF dem Pferd oder erst im Spital. Der Grund: Stirbt jemand hoch zu Ross, wird selbiges auch gleich in die ewigen Jagdgründe befördert – schlechtes Karma! Kein Mensch würde jemals wieder auf diesem Pferd sitzen wollen, geschweige es anfassen oder füttern. Also Peng und weg damit. Wir können den Mann beruhigen – Reiter lebt und Pferd darf  auch weiterleben – bis zum nächsten mal.

Guma der tapfere Reiter
Guma der tapfere Reiter © Peter Wenauer / LSLB Magazin
Ein Yak am Kailash -Und mein Finger rechts oben
Ein Yak am Kailash -Und mein Finger rechts oben

 

 

Tibet Taxi mal anders
Tibet  Pferde Taxler in Nöten © Peter Wenauer / LSLB Magazin

Badeunfall?

Ein unheiliges Bad?

Die dreitägige Umrundung zeichnet einige von uns. Auch ich brauche doch den einen oder anderen Schluck Wasser mehr. die Unterkünfte werden immer karger, es ist kalt und dann setzt auch noch der gefürchtete Monsun ein. Zwar nur ein Vorbote des kommenden Wetters aber das reicht auch. Wieder gedörrtes Yak Fleisch und Nudelsuppe Instant zum aufwärmen. Ich kann es nicht mehr sehen. Nachts träume ich von einer Käs-Leberkäs-Semmel.

Nach drei Tagen sind wir alle glücklich und froh, daß Ding geschaukelt zu haben.  Meine Bestzeit war 7:20. Was Mann fürchterlich wurmt ist, daß die Yoga Dame lässige 30 Minuten schneller war. Auf dem Rückweg geht es dann doch noch zum heiligen Manasarovar See, wo „Fidji Guma“ ein ausgiebiges heiliges Bad nimmt. Bei 4 Grad Wassertemperatur und 10 Grad in der Luft.
War es das miese Wasser, die Anstrengung, oder die Tatsache das der Gute während der drei Tage Umrundung auch noch das fasten begonnen hat – Guma gehts sehr sehr schlecht und – er leistet P.K. in den Krankenstationen von jetzt an Gesellschaft.

Was soll’s, die Guides sind Kummer gewohnt und – ehrlich – P.K. und Co. waren auch sehr spendabel beim Trinkgeld.

 

Geschafft! © Peter Wenauer / LSLB Magazin

 

2 Gumas und Peters Schatten
2 Gumas und Peters Schatten © Peter Wenauer / LSLB Magazin

Heimfahrt

und eine ungesunde Feier

Es geht nun monoton drei Tage lang retour. Nur zum Schlafen wird stehen geblieben. 1000 Kilometer werden abgespult und als ich die “ Dreckstadt Lhasa“ wieder sehe,  kommt sie mir vor wie eine noble Metropole. Man wird einfach bescheidener.

Abschluss ist ein launiger Abend mit viel Getränk und Gesang in einer lokalen Karaoke Bar. Ich lerne Tibets besten Rapper kennen und wir haben Spass bis in den frühen Morgenstunden. Beim Rückflug hätte ich gerne P.K .in der Krankenstation Gesellschaft geleistet, allerdings aus ganz anderen Gründen. Der Alkohol in Tibet. Ein Vollrausch auf 3.800 Höhenmeter ist nicht so empfehlenswert.

Fazit: Tibet ist eine Reise wert. Nichts für Warmduscher ( Es gibt eher WIFI als warmes Wasser in den Unterkünften). Es ist tatsächlich so wie es in den Reiseführern so schön beschrieben wird:
„Entweder traumhaft oder ein Albtraum. Auf alle Fälle unvergesslich!“

Peter Wenauer – Exklusiv für LSLB Magazin