Jakobsweg Teil 3 – Herbergsterror und eine kurze Nacht

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Hüttenterror und andere Begegnungen

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Kotzattacken, Partyvolk und ein früher Aufbruch

Die Herberge

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Wenn man einmal in Sao Pedro des Rates in der Herberge ist, ist alles gut, denke ich und beziehe mein Bett. Danach suche die Waschküche. Eine etwas dominante Mitpilgerin, Karen, Krankenschwester, 43, aus Wuppertal dirigiert mich souverän in die unteren Stockwerke und erklärt mir im Stakkato wie ich meine Wäsche am besten wasche. Das ich meine Wäsche mit Shampoo wasche, gefällt der Deutschen zunächst nicht. Sichtlich beeindruckt ist sie aber über meine Argumentation. Wozu Waschmittel mitschleppen, wenns mit Shampoo genauso gut geht. Ich wasch mein Zeug auf einem Waschbrett wie in Omas Zeiten. Vor allem die Bambussöckchen die ich unter den Wandersocken trage haben es nötig. Flugs alles in die Sonne gehängt suche ich den Gemeinschaftsraum.

Viele Köche verderben den Brei

Da sitzen schon gefühlte 30 Leute an einem Tisch. Auf der Kochzeile wird fleissig geschnippelt geschnitten und gefachsipmelt. Es gibt Spaghetti Bolognese. Mit 2 Euro Unkostenbeteiligung sei ich dabei. Als ich die Brühe, die da im Topf blubbert inspiziere, habe ich genug gesehen – das ist keine Bolognese das ist fürchterlicher ich weiss nicht was Eintopf mit zerkochten Nudeln. Ich lehne dankend ab.

Im Innenhof finde ich einen schönen großen Holztisch im Schatten und schneide meinen Käse auf, hole die Chorizo, welche ich mir noch in Vale de Condo besorgt habe, mache daraus kleine runde Wursträdchen und will schon mit meinem klassischen Pilgermenue beginnen, da reicht mir jemand frische Weintrauben dazu. Pedro, 56, Portugiese, klassisch gekleidet mit Pilgerhut, Grünem Cape und einem beeindruckenden Baumstamm, den er mit völligster Leichtigkeit als Pilgerstab verwendet. Ich lade ihn ein mit mir zu essen und biete ihm vom reichlichen Käs und Wurst an. Er freut sich nickt mir zu und erzählt mir auf englisch, daß er den Weg jedes Jahr einmal geht. Ein nettes Gespräch wenn auch holprig entwickelt sich.

Party bis nach Mitternacht

Im Gemeinschaftsraum geht es hoch her. Die serbischen Jugendlichen haben Selbstgebranntes mitgebracht. Hier wird gefeiert das der alte Sao Pedro in seinem Grab Step tanzt!
Schon lange nach Mitternacht sorgt das überforderte Herbergspärchen irgendwie dafür, daß die Meute sich in die Schlafzimmer verzieht. Und jetzt geht der Terror so richtig los. Es wird geraschelt umgeräumt, umgezogen, unterhalten, gekichert.. An Schlaf ist so nicht zu denken. Plötzlich werden auch noch Schlafräume getauscht und eine Gruppe kommt vom benachbarten Schlafraum jetzt in unseren Schlafraum und so weiter und so fort und es ist kein Ende abzusehen. Ich bin schon ziemlich genervt. Selbst mit Ohrenstöpsel hast du hier keine Chance auf Schlaf.
Der kleinen Serbin ist vom Selbstgebrannten gewaltig schlecht. Sie heult und wankt irgendwie in Richtung meines Stockbettes. Sie hat ihren Platz doch anscheinend tatsächlich über mir! Und damit ist das Unheil vorprogrammiert. Denn plötzlich – nach dem endlich mal eine knappe Stunde Ruhe war, wird’s dem Dummchen über mir schlecht. Und zwar so schlecht, daß sie kurzerhand vom Bett kotzt.
Über meinem Rucksack ergiesst sich ein Schwall Nudeln mit Matsch und dem Geruch nach Hochprozentigem. Ich bin nicht erfreut. Sie weigert sich das wegzuputzen. Ihr Freund greift ein und versucht mit Toilettenpapier, den Rucksack zu säubern. Dadurch reibt er aber das Zeugs noch eher gründlich ein! Ich reisse ihm meinen Rucksack aus der Hand, renne in die Waschräume und brause das gute Stück kurzerhand ab. Gott sei dank ist er wasserfest. Erst als ich nichts mehr von Nudeln Sauce oder Serbienschnaps sehe und rieche kehre ich zurück in mein Bett. Guten Morgen. Es ist 4:30.

Weil ich vor Zorn sowieso nicht mehr schlafen kann, ziehe ich mich an – LAUTSTARK – huste LAUTSTARK und blende die ganzen kleinen Saufkumpanen hier mit dem Mobile Phone Licht. Genauso rücksichtslos wie sie sich verhalten haben, bekommen sie es jetzt von mir eiskalt retour.
Nach einer halben Stunde bin ich reisefertig und setze meinen Weg fort. Noch im Dunkeln verlasse ich diese unselige Herberge in Sao Paulo de Rates und buche mir über Booking.com ein Hotelzimmer in Barcelos. Noch so eine Nacht will ich jedenfalls nicht mehr erleben. Ich habe Glück. Ein Zimmer in einem Hotel direkt im Stadtzentrum ist frei. Klick und gebucht. Mit solchen Aussichten geht es sich gleich mal besser!

Fresken an der Basilika Romana

 

Früher weg nach Barcelos

Hier gehts weiter zu Teil 4

Fernanda’s Pilgerparty und ein Hahn im Stimmbruch

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Marion

Sie ist die Initiatorin des LSLB-Magazins. Neben ihrer Tätigkeit im Management und Entwicklung, findet sie aber immer noch Zeit, selbst über die schönen Dinge des Lebens zu schreiben. Ihr Fokus liegt auf Hotelchecks und Städtereisen, Tipps und Tricks rund um das Thema.
Sie hat eine Schwäche für den afrikanischen Kontinent und begleitet den Abenteuer Redakteur, wann immer sie kann in die Weiten der afrikanischen Savannen. Zudem ist sie der richtige Ansprechpartner, wenn es um Deine Werbeschaltung geht, oder um Anfragen zu Kooperationen.

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