Der grüne Rock – Shopping – Kolumne Luxusprobleme

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Shopping…

…braucht die richtige mentale Einstellung und die passende Stadt, um zu einem gelungenen Erlebnis zu werden. Schließlich sollte der emotionale Kick, den das Stöbern und Selbstverschönern bereitet, auch ein wenig über den schmerzhaften Prozess des Bezahlens hinweghelfen.

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Da ich selten meine Garderobe erneuere, möge der Leser mir verzeihen, dass ich hier von einem weniger gelungenen Erlebnis berichte. Am Ende stand ich vor dem Spiegel und musste wieder einmal ein klassisches Luxusproblem betrachten – weswegen mir die LSLB-Redaktion ja auch diese gleichnamige Kolumne gestattet hat.

Ausmisten

shopping klamotten ausmistenBevor ich mich der typischen Selbstaufwertungsmethode unserer Konsumkultur hingegeben habe, befreite ich meinen Kleiderschrank von allen Stofffetzen, die nicht mehr zum Umfang meiner inzwischen herangereiften Persönlichkeit passen. Jetzt freuen sich zahlreiche Asylbewerberinnen meiner Stadt über einen Schwung Sommerkleidung von der Caritassammlung, die ihre hoffentlich zierlichen Körper passend in Szene setzt.

Freiburg – Mekka der postmodernen Hippies

Freiburg Herz Jesu Kirche
Freiburg Herz Jesu Kirche
Nach diesem Kraftakt weiblicher Emanzipation (der Kofferraum meines Kleinwagens war randvoll) setzte ich mich in den Zug nach dem Mekka aller postmodernen Hippies Südwestdeutschlands: Es ging nach Freiburg im Breisgau. Das Auto hat da nichts zu suchen – zu groß ist die Gefahr, durch pfeilschnelle Fahrradfahrer von der Straße abgedrängt zu werden.
Die Straßenbahn ruckelt mich zur Kaiser-Josephs-Straße (Freiburg war mal Hauptstadt Vorderösterreichs). Doch in die Großkaufhäuser dieser Hauptschlagader der Innenstadt zieht es mich nicht. Stattdessen pilgere in jene Gefilde, in denen ich zu Studienzeiten die Auslagen von Insiderboutiquen – mangels Geldbeutelinhalts – bewunderte, um dann resigniert ein paar wenige D-Mark für einen umso rassigeren Espresso im Café Capri auszugeben (unbedingt hingehen, wenn Sie etwas für die heimliche Provinzhauptstadt Südbadens übrig haben sollten!).
Der Charme der etwas abgewetzten Holzverschalungsoptik hat sich gefühlt seit den 1970-er Jahren nicht verändert. So ähnlich, wie der Inhalt meines Kleiderschranks, denke ich, zahle und fasse mir ein Herz. Meine Vorstellungen von einer geeigneten Outfitveränderung schwanken zwischen Miró-artigen Kunstdrucken auf Desigual-Kleidchen (zu eng geschnitten) und zarten Sommerträumen aus original ägyptischer Baumwolle (wirkt zu sackartig bei Größe 42). Wenn der sommerliche Einteiler also unwiederbringlich einem vergangenen Lebensabschnitt angehören soll – dann bleibt eben nur der Rock. Wandershorts in Beige wären eine Kapitulation.

Alternativboutiquen

Ich gehe also zum Angriff über und betrete eine dieser unvergleichlichen Freiburger Alternativboutiquen für die emanzipierte Akademikerin auf dem Augustinerplatz. Schließlich befinde ich mich in einer Universitätsstadt. Gut eine Stunde lang quäle ich mich in grün- und rot-weiße Röckchen unterschiedlicher Landhaus-Blümchen-Muster und fühle mich, wie eben eine träumende 40erin in Daisy-Duck-Röckchen aussieht. Die Verkäuferin bewundert diplomatisch meine Körperhaltung (ich schalte meine Bauchatmung aus, um den dortigen Speck zu kaschieren).
Doch am Ende gebe ich eine hübsche Summe für einen weit geschnittenen, bequemen Baumwollrock aus. Unifarben grasgrün. Ein schöner Kontrast wenigstens zu meinen hennaroten Haaren. Der Zahlungsprozess schmerzt, aber ich schlarwenzele tapfer zur Straßenbahn zurück. Und ernte zumindest einige Achtungserfolge im Blick älterer Herren. Die sind sicher in den 1950-er Jahren jung gewesen. Das passende, freche T-Shirt, das mich von meinem neuen Hausfrauenlook erlöst, suche ich übrigens noch immer.

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