Kopftuch versus Kopftuch - aus der Kolumne von Ingrid Raab
Kopftuch versus Kopftuch

Das Kopftuch

Mehr als nur ein religiöses Statement

Derzeit wieder ein hochaktuelles Thema: Kopftuchverbot!
Lassen Sie mich einmal etwas in die Geschichte des Kopftuchs eintauchen.
Wenn man es historisch und unpolitisch bzw. ohne Botschaft betrachtet, kann man feststellen, dass es trotzdem ein sehr kontroverses Kleidungsstück (Tuch) ist. Denn das Kopftuch ist mehr als nur ein Stück Stoff, man sollte es nicht auf einen religiösen Hintergrund reduzieren.

Kopftuch in der Jugendzeit – „Gipsy Look“

Ich erinnere mich an meine Jugendzeit, da war es modern, ein Kopftuch zu tragen. Die elegante Dame der 60erJahre trug das HERMES-Tuch als Ausdruck ihrer gehobenen Gesellschaftsschicht. Für uns Normalbürger war das No-Name-Tuch entweder ein modischer Akzent oder eine praktische Ergänzung zur Kleidung, je nach Witterung – und kein Statussymbol. Wir waren damals in bester Gesellschaft: Audrey Hepburn, Grace Kelly, Brigitte Bardot, Sophia Loren und viele andere Filmstars trugen es sowohl in ihren Kultfilmen als auch privat und machten es so zu einem stylischen Mode-Accessoire. Ganz zu schweigen von Queen Elisabeth II., die es bis heute trägt und deswegen sogar von der britischen VOGUE lobend erwähnt wurde.

 

Man knotete diese Tücher unterm Kinn oder im Nacken und ließ die Zipfeln lose hängen. Grace Kelly trug ihr Tuch im Film „Über den Dächern von Nizza “ unterm Kinn gekreuzt und dann im Nacken verknotet. Die Hippie-Mädchen trugen große Tücher mit Fransen im „Gipsy-Look“. Ich war zwar kein Hippiemädchen, aber ich faltete z.B. das Tuch zu einem Band und schlang es indianermäßig quer über die Stirn mit seitlich herabhängenden Enden (Foto). Oft wickelte man es wie einen Turban um den Kopf – da sehe ich übrigens die Verbindung zum Orient! Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt.

Und nun werfen wir einen Blick auf die orientalischen Kopftücher: Wenn sie nicht religionsbedingt vorwiegend einschränkend für die Trägerin wären und als Statement oder zwangsweise getragen würden, gefielen mir manche eigentlich sehr gut. Sie betonen schöne Gesichter jeden Alters und man braucht sich nicht mehr um die Frisur zu kümmern. Manchmal wünsche ich mir so ein schickes Tuch, wenn die Haare wieder einmal machen was sie wollen!

Die Gründe, ein Kopftuch zu tragen, sind unter den muslimischen Frauen sehr vielfältig. Gepflogenheit, religiöses Selbstverständnis oder individueller Selbstausdruck, aber auch Druck aus dem sozialen Umfeld. Und manchmal ist das Weglassen des Tuches auch ein Statement.

Aus welcher Perspektive man auch Immer das Kopftuch betrachtet – es bleibt trotzdem ein Stück Stoff! Mehr oder weniger.

Kopftuch Style

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3 KOMMENTARE

  1. Interessanter Artikel. Ich bin die Diskussionen langsam satt. Auf der einen Seite Menschen, welche Muslimischen Frauen vorwerfen sie tragen das Kopftuch nicht freiwillig und auf der Gegenseite die Stimme, dass das Kopftuch freiwillig getragen wird. Die Neutralität des Artikels finde ich toll! 🙂

    LG SVenja

    • Vielleicht war es genau das, was Ingrid sich dabei dachte. Lassen wir doch das Kopftuch das wieder sein, was es ist – ein Schmuck für die Frau. Danke für deine leidenschaftlichen Worte zum Thema! VLG die Redaktion

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