Ein Besuch in Krakau

In meiner Jugend war Polen ein Land, in das man nicht so einfach reisen konnte. Noch schwieriger war es für Polen, auszureisen. Der eiserne Vorhang lag noch bedrohlich zwischen den Staatsgrenzen und, nun ehrlich? Welche Jugendliche zieht es in den Ostblock und nach Krakau?! In jener Zeit war eher Spanien bei mir angesagt.

Die Verwandten, welche ich damals noch in Krakau hatte, leben leider nicht mehr, als das sie mir die Stadt zeigen könnten und zu den Großcousinen, die es sicher hier noch gibt, habe ich keinen Kontakt. Nichts desto trotz – wollte ich mir die Stadt meiner Großväter einmal ansehen.

Die Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen liegt ca 350 km südwestlich von Warschau und ist die zweitgrößte Stadt Polens. Mit der AUA fliegt man ca 1 Stunde von Wien aus dorthin. Man kann aber auch mit dem Zug fahren – was aber länger dauert, nämlich ca. 8 Stunden.

Des Fliegens leid, entschloss ich mich mit der ÖBB von Wien nach Krakau zu reisen. Ein Zimmer in einem kleinen Stadthotel hatte ich bereits reserviert und so saß ich eines Abends schon etwas müde aber durchaus aufgeregt in einem Schlaf Abteil der ersten Klasse.
Wenn schon Zugreise, denn schon mit Klasse, dachte ich mir.

Anreise

Die ÖBB bietet immer wieder Pauschalreisen nach Krakau an. Das besondere daran ist, dass man mit einem Historischen Zug mit alten, edlen Salonwagen nobel anreist und danach mit Stadtführer und pipapo Krakau erlebt.

SONDERZUG nach KRAKAU 

Mein kleines Schlafabteil, wirklich winzig, aber zumindest ein Waschbecken darin, war zwar sauber, aber irgendwie für mich schon etwas beklemmend.

Abhängig von der jeweiligen Verbindung kann man zwischen den Abteilarten Single und Deluxe, die sogar ein kleines Bad haben, mit Dusche und WC wählen.  Leider gab es auf meiner Strecke keine Deluxe Abteile, warum auch immer. Aber das störte mich jetzt wenig, denn das gleichmäßige Rattern der Räder auf den Schienen lullte mich bereits ein und keine 25 Minuten Reisehörbuch später, muss ich schon eingeschlafen sein.
Eine freundliche Servicekraft weckte mich und brachte mir mein Frühstück, dass, wie ich sagen muss, bei Weitem feiner war als man wohl  im Flieger bekommen würde. Sogar einen Orangensaft konnte ich bekommen.

Guten Morgen Krakau, liebe Grüße aus Wien

Krakau Glowny alter Bahnhof
Krakau Glowny alter Bahnhof

Nachdem ich aus dem neuen unterirdischen Bahnhof herausgefunden hatte, stand ich vor dem alten Bahnhofsgebäude und fühle mich ganz wie zuhause. Denn dieser, unter Denkmalschutz stehende Komplex, wurde noch 1847 von der österreichischen Monarchie in Auftrag gegeben. Genaugenommen von Paul Rosenbaum – ein jüdischer Name, der mich in Krakau noch ein paar mal verfolgen soll.

Auf meinem Weg durch Krakau bemerkte ich immer wieder diese verblüffende Ähnlichkeit zu Wien und Krakau kann nicht verleugnen, dass es einmal zu Österreich gehörte.

Der Taxifahrer wollte 20 Euro für die Fahrt zum Metropolitan Boutique Hotel. Ich kommentierte  das mit einem Tippser auf die Stirn! Um die Ecke standen weitere Taxis, hier hatte ich mehr Glück und die Fahrt konnte für  umgerechnet 4 Euro beginnen. Ich rundete großzüg auf 20 Zloty auf, und wir tauschen gleich mal Visitenkarten. Unter Umständen werde ich noch einen zuverlässigen ehrlichen Taxifaher brauchen, und Stanislav, mein erster neuer Freund, macht mir ein faires Angebot für eine Tagespauschale inklusive Piroggen kochen und Essen bei seiner Schwester. Deal!

 

Das Metropolitan Boutique Hotel – Ideale Unterkunft

Metropolitan Boutique Hotel Krakau und das FAB Fusion daneben
Metropolitan Boutique Hotel Krakau und das FAB Fusion daneben


So unscheinbar das Metropolitan von außen auch aussehen mag, die Zimmer sind fabelhaft und ruhig in Richtung Innenhof gelegen. Dort sass ich jetzt erst einmal und zündete  mir die erste Zigarette seit 14 Stunden an.  Kazimierz  ist hier gleich um die Ecke und ich wollte heute dort meinen Tag beginnen. Das alte Jüdische Viertel hat architektonisch, geschichtlich und Medial (Schindlers Liste wurde teilweise hier gedreht) einiges  drauf. Sehr viele Reisegruppen sind hier unterwegs und ich sah immer wieder bunte Fähnchen oder Schirme, in der Luft. Einer amerikanischen Reisegruppe schlich ich in gewissem Abstand hinterher und  lauschte den Informationen der schrillen Amerikanerin. Lausig. Da ist mein Marco Polo Reiseführer  aber präziser und ausführlicher.

Hopp on hopp off – Ideal für den ersten Überblick

 

20 Minuten braucht  es zu Fuß in die Altstadt. Marcin von der Rezeption, zeigte mir, wo die nächste Hop on Hop off Haltestelle für den gleichnamigen Bus ist.

Mit WOWKrakov hopp on hopp off Ticket versorgt stieg ich bei der Synagoga Strawa, in einen der mit Glasdach versehenen Busse und wählte Deutsch als Informations Sprache an dem kleinen Radio und ließ mich mit Informationen  berieseln.
Auf diese Art hat man mal einen ersten  groben Überblick, was es so alles in einer Stadt zu sehen gibt.

Während der Fahrt sah ich eine Gruppe junger Leute, die sichtlich Spaß beim Segway fahren hatten. DAS muss ich unbedingt auch noch machen, nahm ich mir vor.

Zunächst kamen wir mal am St. Florian Tor vorbei, dass im 14ten Jahrhundert das Haupttor der Stadt darstellte, dann an der Trutzburg Barbican, vorbei am Slovaky Theater und der Peter & Paul Kirche zur Wawel, der mächtigen Festung Krakaus, dann parallel zur Weichel am Norbertinum Kloster vorbei, kurz auch noch einen Blick auf die St. Salvator Kirche dahinter. Am Kosciuszko stieg eine aufgeregte Wienerin ein. Man hatte anscheinend versucht, sie dort oben auf dem Berg zu überfallen und ihren Rucksack zu stehlen. Zum Glück kamen da gerade einige weitere Touristen daher, und der Dieb floh.

Achtung – auch in Krakau gibt es Spitzbuben

Ja nun – das genau ist der Grund, warum ich ausser meinem Mobile ein paar Zloty in der Brusttasche,  und einer Trinkflasche nichts bei mir habe. Sollte mir auf meinem Weg etwas Schönes gefallen, merke ich es mir, und hole es mir später.

Edith, so hieß die fast Bestohlene, war witzig und nett und wir kamen sogleich ins Gespräch, da sie wie ich, auch alleine reiste.

Weiter ging es, vorbei am Kongress Center und über den Rondo einen Blick auf das Museum Manggha. Von hier könnt man auf ein Schiffchen umsteigen, was ich aber nicht machte, sondern weiter am Ethnographischen Museum über die Brücke zum Jüdischen Helden Platz, am Mocak und Schindlers Fabrik vorbei, zum Hotel Galaxy, wo Edith ausstieg und wir uns spontan zum Abendessen im Jüdischen Viertel verabredeten. Ich stieg gleich mit aus, denn ich wollte mir die Beine ein wenig vertreten und so schlenderte ich in Richtung Hotel zurück, wobei ich am Jüdischen Friedhof vorbeikam.
Ja und da lagen sie – all die bekannten Namen. Zärtlich strich ich über die verwitterten Grabsteine und war plötzlich irgendwie sehr traurig. Sollte ich mir Auschwitz wirklich ansehen? Ich bin ein sehr emotionaler Mensch – würde ich das ertragen können?

 

Geheimtipp für Piroggen Liebhaber mit kleiner Börse

Im Hotel angekommen ging ich noch kurz ins Fitnesscenter. Klein aber fein und für meine Bescheidenen Zwecke völlig ausreichend.

Frisch geduscht und umgezogen, ging es weiter, aber diesmal zu Fuss. Der Magen hing mir in den Kniekehlen und ich suchte mir eine Möglichkeit zum Mittagssnack.

Der war auch schnell gefunden, denn nicht weit von hier, fand ich in einer unscheinbaren Gasse das Przystanek Pierogarnia. Meine ersten Krakauer Piroggen. Super gut und dabei sehr günstig. Ich bestellte mir Variation Herzhaft mit Schweinefleisch und einmal Süß mit Kirschen und Rahm. Hier würde ich nochmal hinschauen müssen.

Nachdem dieses Restaurant extrem klein war, nahm ich mir die Süße Variante als take away mit, denn es kamen immer mehr Leute, Studenten, kaum Touristen und eine Dame mit Rollator aus der Nachbarschaft. Ich war auf einen echten Insider Tipp gestoßen! Authentischer geht es nicht mehr.

Kosher bleiben!

So vollgefuttert, schlenderte ich noch eine Weile über die Dietla retour in Richtung Hotel.

Sightseeing macht müde. Darum war jetzt mal ein kleines Nachmittagsschläfchen, und erste Zeilen für den Artikel schreiben, angesagt.

An der Bar wartete ich bei einem Fruchtsaft auf meine neue Bekannte, die mich von hier abholen würde.

Sie hatte mir von einem jüdischen Restaurant berichtet, in dem man sehr gut essen können sollte und ein Tisch war von mir dort  über den Concierge bereits für 19:00 Uhr reserviert.

Erster Kontakt mit Kelzmer

Das Arka Noego Restauracja Zydowska, dass zum Hotel Ariel gehört,ist ein kleines jüddisches Lokal mit an der Nordseite des Hauptplatzes von Kazimierz, dessen Besitzer auch ein Buch über die jüdische Küche geschrieben hat. Sympathischer Weise serviert er höchst persönlich. Als Vorspeise zu empfehlen ist die Schöne-Rahel-Suppe mit Lachs, danach bestellten wir Lamm in Pilzsoße bzw. Hühnchen mit cymes, einer Gemüsebeilage. Später spielten Musiker Kelzmer Musik auf. Gott sei dank aber dezent und nur ca 30 Minuten und nein – ich habe ihnen keine CD abgekauft.

Der Szeroka Platz – zum Auslassen?

Edit gab mir noch einige Tipps, was ich mir unbedingt noch ansehen sollte und warnte mich vor der Abzocke am Szeroka, dessen Restaurants ihrer Meinung nach überteuert wären und für den Preis nichts wirklich Gutes zu bieten hätten. Das FAB Fusion welches sich in meinem Hotel befände könne sie mir jedoch sehr empfehlen.

Danach ging es dann noch ins Alchemia, Harris Piano Jazz Bar und die Absynt Cafe & Drink Bar gab mir den Rest! Nie wieder Alkohl, dachte ich mir am nächsten Morgen.

In den verbliebenen Tagen habe ich mir dann noch einige Sehenswürdigkeiten im Detail angesehen und auch einige Museen besucht. Auschwitz habe ich ruhen gelassen. Ich will mir das schöne Krakau mit schönen Erinnerungen in selbiger behalten, und sie nicht ständig mit dem Holocaust in Verbindung bringen zu müssen. Es hat weiss Gott genug Momente gegeben, in den Museen und Gedenkstätten dieser Stadt, an denen ich kurz vorm Heulen war.

Fazit: Krakau ist ein unbedingtes MUST,  und steht Städten wie Prag oder Budapest in Nichts nach.



In Wiki Voyage findest du auch noch weitere interessante Möglichkeiten und was ich sonst noch an Action gefunden habe, weiter unten in der Linksammlung.

Bontour- Segway Tours

Puppentheater Teatr Grotesque

Kochkurs im Privathaushalt Krakow Urban Adventures

Gościnna Chata deftig heftig gut

Wer wirklich polnische Küche kosten mag, der sollte hier einkehren. Auf der zweisprachigen Karte findet man so manches Gustostückchen. Bigos im Brot und auf die Ente (Vortag vorbestelen) kann ich wärmstens empfehlen. Kinderfreundlich ist man auch. Einziges Manko – viele Reisegruppen. Ab 19 Uhr ist es gesteckt voll und es empfiehlt sich zu reservieren. In der Warmen Jahreszeit habe ich draussen einen lauschigen Innenhof zum sitzen entdeckt. Auslassen: der angebotene Polnische Wein ist zum auslassen. Schade. Denn dabei gibt es wirklich gute Polnische Weine.

Fiorintina Italienisch Dry Aged und Pizza:

Ein spontaner Besuch liess uns beim zweiten Besuch ein wirklich exzellentes italienisches Restaurant entdecken! Nicht nur für jeden etwas dabe, denn Mittags ein schöner Platz um auch mit den Kids eine Pizza zu essen.
Abends füllt sich das Lokal mit Gourmets aus allen Herren Ländern. Denn ein Geheimtipp ist das im Januar erst eröffnete Restaurant wohl nicht mehr.
Sehr schnell kamen die Gäste darauf, dass es hier nicht nur Pizza und Pasta gibt. Das Dry Aged Beef ist ein Gedicht und wer es nicht probiert, ist schlichtweg selbst schuld. Exzellente Weine zu moderaten Preisen. Schönes Lokal, mit viel Liebe zum Detail und ein kleiner Innenhof, der im Sommer zum draussen Essen einlädt. Extrem freundliches und superprofessionelles Personal. Richtig gute Stimmung unter den Angestellten. Hier macht jemand etwas verdammt richtig!

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