Legenden der Formel 1 – Damon Hill – Ein Portrait

Damon Hill Fahrerportrait -Legenden der Formel 1
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Damon Hill – Eine Nummer 2 wird Weltmeister

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Letztes Jahr jährte sich der WM Titel zum 20ten Mal. Berühmt wurde er aber am ehesten durch seine Rivalität mit Michael Schumacher und den Crash in Adelaide. Der 1960 als Sohn des Formel 1 Weltmeisters Graham Hill geborene Engländer ist aber weit mehr als der ewige Konkurrent von Schumi.

Man sollte meinen, dass man als Sohn eines Weltmeisters schnell Fuß fassen kann im Rennsport. Trotzdem braucht es immer noch Geld um einen Einstieg zu haben, dieses war im Hause Hill aber Mangelware. Sein Vater kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, aufgrund eines Fehlers war das Privatflugzeug nicht versichert und die Familie Hill musste für die Opfer zahlen, was sogar dazu führte, dass man die Pokale des Vaters verkaufen musste. Damon jobbte als Motorradkurier.

Karrierestart auf  2 Rädern

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Seine Karriere begann auf 2 Rädern, von 1979 bis 1984 erreichte er 40 Siege in verschiedenen Motorradrennarten. Über die Formel Ford 1600, die britische Formel 3 und die Formel 3000 ergatterte er dann 1991 ein Testfahrercockpit bei Williams. Sein erstes Renncockpit bekam er von Brabham, einem Topteam von Mitte der 60er bis Anfang der 80er mit insgesamt vier WM Titeln, in den 90ern allerdings nur noch ein Hinterbänklerteam. Er ersetzte Giovanna Amati, die letzte Frau die an einem Formel 1 Qualifying teilgenommen hat beim vierten Rennen (Spanien), nachdem sie sich dreimal nicht qualifizieren konnte. Hill wurde in 8 Rennen eingesetzt und schaffte nur zweimal die Qualifikation, bevor Brabham Insolvenz anmeldete.

Er musste aber nicht lange warten, denn Nigel Mansell trat nach geplatzten Verhandlungen mit Williams überraschend zurück und so wurde Damon Hill der Teamkollege von Alain Prost. Williams war zu dieser Zeit das absolute Top Team und Damon schaffte 1993 auf Anhieb den dritten Platz in der Gesamtwertung, 4 Punkte hinter Senna und 30 hinter Weltmeister Prost. Hill steuerte drei Siege in Folge und 7 weitere Podiumsplatzierungen zum deutlichen Gewinn der Konstrukteuersweltmeisterschaft bei. Prost beendete seine Karriere und Williams holte Ayrton Senna als Teamkollegen.

Die tragische Nummer 1

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1994 ist vielen Fans vor allem für die tödlichen Unfälle von Roland Ratzenberger und Ayrton Senna im Gedächtnis geblieben, für die Deutschen aber natürlich auch für den ersten WM Titel von Michael Schumacher. Hill verlor diese WM mit nur einem Punkt Rückstand aufgrund eines nach wie vor umstrittenen Unfalls zwischen Schumacher und Hill, Konstrukteursweltmeister wurde trotzdem Williams. Williams überlegte gegen dieses Ergebnis Protest einzulegen, entschied sich aber aufgrund der Kritik an der Formel 1 durch die tödlichen Unfälle dagegen um einen weiteren Skandal zu vermeiden, der dem Sport wahrscheinlich sehr geschadet hätte.

1995 unterlag er mit David Coulthard an seiner Seite erneut Schumacher, der nun ebenso wie Hill über die Renault Motoren verfügte, dieses Mal aber deutlicher. Hills Saison war mit sieben Ausfällen alles andere als erfolgreich, der Rückstand betrug 33 Punkte – wohlgemerkt zu einer Zeit, in der es nur 10 Punkte pro Sieg gab.

1996 bekam Hill erneut einen neuen Teamkollegen mit Jacques Villeneuve. Die beiden dominierten die Saison über, Benetton war ohne den zu Ferrari gewechselten Schumacher zwar noch vorne dabei aber nicht mehr siegfähig während Ferrari ebenso nichts entgegnen konnte. Hill und Williams führten die WM zu jeder Zeit an, Williams gewann 12 von 16 Rennen, davon Hill alleine 8.

Endlich an der Spitze, aber nur für kurz

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Sein Wechsel zu Arrows im Jahr 1997 ist von Gerüchten überschattet. Arrows war kein Neuling, ging aber 1997  Zum ersten Mal seit einigen Jahren wieder unter diesem Namen an den Start und auch sonst war vieles neu dort. Als erwiesen gilt, dass Hill bei Williams keine Zukunft mehr hatte. Angeblich war seine Gehaltsvorstellung zu hoch und Frentzen, der für ihn zu Williams kam, wurde als ebenso schnell wie Hill angesehen und war günstiger. Arrows stellte sich gerade neu auf und bot eine enorme Summe für Hill, ein anderes Cockpit war aber auch nicht mehr wirklich frei, nur Jordan und Stewart wurden ebenso gehandelt. Hill sagte, dass ihn ein Besuch in der Fabrik überzeugt hatte und er sich auf die Herausforderung freue. Manche Fans meinen auch, dass Hill Arrows formen wollte wie Schumacher es bei Ferrari getan hatte.

Dagegen spricht allerdings, dass der Deal schon vor seinem WM Gewinn, auch wenn dieser als wahrscheinlich galt, bekannt wurde und der Vertrag nur über ein Jahr lief. Hill sagte später, dass Potenzial im Team war und es ähnlich hätte laufen können wie bei Red Bull Jahre später.

Hill schaffte 1997 zwar ein paar Punkte, dabei blieb es aber auch. Das Auto war unzuverlässig und unterlegen, sein sechster Platz und somit erster Punkt im neunten Rennen in Silverstone galt bereits als Meisterleistung (hier kamen aber nur 10  Autos ins Ziel), aber zwei Rennen später zeigte Hill, was in ihm steckte. In Ungarn schaffte er einen dritten Startplatz hinter Schumacher und Villeneuve, den er gleich beim Start kassierte. Der Ferrari konnte sich nicht absetzen von Hill und so zog er sogar in der elften Runde an ihm vorbei. Eine sensationelle Führung für Damon Hill im Arrows, der in den folgenden Runden seinen Vorsprung auf circa 35 Sekunden auf den Zweiten Villeneuve ausbaute. In Runde 74 von 77 machte dann aber wieder die Zuverlässigkeit des Arrows Probleme – ein Hydraulikproblem lies seine Rundezeit einbrechen, in Folge kam Villeneuve immer näher. Mit knappem Vorsprung ging Hill in die letzte Runde, musste den  ehemaligen Teamkollegen aber ziehen lassen. Hill wurde zwar immer noch sensationell Zweiter, für Arrows und Yamaha wäre es aber der einzige Sieg gewesen. Schuld war eine wenige Pfennige teure Dichtung.

Funfact:

Wäre diese Dichtung nicht kaputt gegangen hätte, wäre Michael Schumacher (bei sonst identischem Saisonverlauf) mit 5 Punkten Vorsprung anstatt nur einem Punkt ins Finale gegangen, der berühmte Rempler von Jerez wäre somit nicht nötig gewesen, da ein zweiter Platz für den WM Titel gereicht hätte.

Neues Team aber wieder nur die zweite Geige

1998 wechselte Hill zu Jordan, nachdem Verhandlungen mit McLaren gescheitert waren. Der Jordan war zu Beginn der Saison nicht wesentlich besser als der Arrows im Vorjahr. In Silverstone ergatterte Jordan wie schon Arrows vorher den ersten Punkt, dieses Mal aber nicht durch Hill sondern seinen Teamkollegen Ralf Schumacher. Ab da lief es besser für Jordan, die in den nachfolgenden Rennen nur einmal keine Punkte einfahren konnten, dafür aber mit dem Doppelsieg in Belgien einmal richtig abgesahnt hatten. Der Doppelsieg war auch gleichzeitig der erste Sieg für Jordan überhaupt und der letzte für Hill, er wurde

1999 fuhr Hill weiterhin für Jordan, an seiner Seite war aber nun Heinz-Harald Frentzen. Jordan wurde in diesem Jahr hinter McLaren und Ferrari Dritter in der Gesamtwertung, Frentzen ebenfalls in der Fahrerwertung. Hill war lustlos und unmotiviert und wurde nur 12ter in der Fahrerwertung. Er beendete daraufhin seine Formel 1 Karriere.

Hill schaffte in seiner Formel 1 Karriere bei 115 Rennen 20 Poles, 22 Siege, 15 zweite und 5 dritte Plätze. Er kommt auf 360 Punkte.

Nach seiner aktiven Karriere begann er als Funktionär zu arbeiten und war von 2006 bis 2011 Präsident des British Racing Drivers Club, dem Eigentümer der Rennstrecke in Silverstone. Sein Sohn Joshua war bis 2013 ebenfalls Rennfahrer, beendete aber seine Karriere in der Formel Renault

Bilder embedded   Getty Images für nicht kommerzielle Zwecke.

Autor: Marco Golüke

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