Kleines Land, kleines Selbstbewusstsein?

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Es ist schon eine kleine Tragödie, mit dem schönen Österreich. Wir sind halt einfach klein. Neben uns liegen die ehemaligen Kronländer und blicken schadenfroh über die Grenze. Ja gut, es gibt sicher noch kleinere Staaten. Aber als Zwerg mag man sich doch nicht mit anderen Zwergen vergleichen, oder? So kommt man zu Nichts. Mit den großen, mächtigen Staaten tät man es gerne aufnehmen, was das Selbstbewußtsein betrifft.

Für Terror zu klein

Natürlich möchte man keinen Vergleich anstellen, mit deren aktuellen Terror Statistiken. Möchte man nicht. Oder doch?

Irgendwie ist es schon erniedrigend für einen Staat, wenn man so gar kein Terrorziel ist. Jedenfalls habe ich, nach Durchsicht der österreichischen Medien, das Gefühl bekommen. Grund sind die verzweifelten Versuche der Presse, auch hier in Österreich, oder gar in der Bundeshauptstadt den Terror herzudichten.

Aber es bleibt einfach viel zu friedlich hier. Keine Bomben, keine Attentäter auf den Weihnachtsmärkten, keine brennenden Moscheen, Tempel oder Kirchen.

Das Ringen um Schlagzeilen

Eine bekannte Gratiszeitung, die wie Klopapier vor den öffentlichen Verkehrsmitteln aufliegt, hat aber doch den Einen oder Anderen Aufmacher 2017 plazieren können.

Für Frauen ist es nicht mehr sicher in Wien . Kurz nach dem Grapsch Desaster in Köln am Silvesterabend 2016, ging es auch bei uns los. Frauen wurden angegrabscht. Fast zeitgleich. Blöd war nur, dass natürlich in Köln und Berlin viel mehr Frauen angemacht wurden. Wen interessieren da die paar Mädels auf dem Stephansplatz, neben den Stadtbahnbögen oder in irgendwelchen Vororten von Wien? Ausser den beschränkten Leser in der U-Bahn, dem seine Bildung nicht mehr Wert ist, als ein kostenfreies Revolver Blättchen.

Es bleibt also dabei. Verglichen mit der Bevölkerungsdichte ist Wien eine ziemlich sichere Metropole. Ich bin darüber nicht unglücklich.

Austria goes America

Damit man aber zumindest irgendwo einmal etwas Schlagzeile macht, hilft eine neue Legislaturperiode. Unser Superstar, Sebastian Kurz, hat es bis in die Tagespresse von Idaho, USA gebracht. Leider hat man ihn da mit der FPÖ verwechselt, die ja, so dort angenommen, bekanntlich nach wie vor von Adolf Hitler persönlich gemanaged wird.

Wurscht – Von N.Y. bis L.A. – Kurz hat es geschafft. Teilweise sogar auf die Titelseite. Nur der Text war ned so fesch. Irgendwas mit “die neue Bedrohung” und “Es geht wieder los” war da, so glaube ich mich zu erinnern, zu lesen. Egal. Publicity ist Publicity. Kurz hat’s gerockt. Gratuliere. Nach Waldheim endlich wiedermal einer, der es bis nach Übersee schafft.

SKANDAL! WANZEN im Kanzleramt?

Die Bemühungen, sich ins internationale Licht zu rücken, haben auch rechtzeitig im neuen Jahr weitergeführt. Diesmal wurde unser lieber H.C. Strache doch glatt abgehört. Der “Wanzenskandal” hat eine neue Welle hervorgebracht. Ein Spionage Zunami für das kleine Land, sozusagen. Während der Nachbeben wurden aber leider immer mehr kritische Stimmen laut, und auch eine kostspielige und gründliche Untersuchung führt nun eher zum Zweifel.

Ziemlicher Kabelsalat

Angeblich war die “Wanze” ein Kabel. 1963 dürfte der damalige Amtsinhaber und weitläufige Vorgänger von Heinz Christian Strache, einfach ein fauler Hund gewesen sein. Nun – das entspricht ja dem allgemeinen Klischee des Österreichischen Politikers. Der schlaue Fuchs hat sich nämlich seinerzeit eine neumodische Leitung direkt ins Parlament legen lassen. Genaugenommen ein Audiokabel mit Lautsprecher. So konnte er nun, bequem, ohne in das depperte Parlament zu wackeln, von seinem Schreibtisch aus, den Plenarsitzungen folgen.

Als der neue dedizierte Minister in die altehrwürdigen Räume zog, hat er natürlich erst mal alles gründlichst umbauen lassen müssen. Dabei kamen dann angeblich diese alten Kabel zum Vorschein. Und ZACK – der Abhör-Mythos war geboren.

Bleib Autentisch

Liebes Österreich. Ich liebe Dich, weil du so friedlich, menschlich und so klein bist.

Du brauchst keine Bomben und Anschläge. keine wachsenden Vergewaltigungsraten. Auch keine „CSI Sonderkommission“ für einen nie passierten Abhörskandal.

Was du brauchst, ist eine intelligente Politik in der laufenden Legislaturperiode, konstruktives Mitarbeiten im entstehenden Völkerstaat, genannt EU, und ein wenig Selbstvertrauen.

Ich glaube an Dich.

Deine Marion

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