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Polestar 2 – Der stramme Polarbär

Für den ersten Eindruck zum Thema ‘Polestar’ kann das Auto wirklich nichts. Bei der Schlüsselübergabe des Testfahrzeuges steht das arme, weiße Gefährt in einem Schneematsch-Haufen bei unwirtlichen Temperaturen und hochprozentiger Luftfeuchtigkeit. Und nein, das war nicht am Polarkreis sondern im Süden von Wien.
Das war aber auch der größte Makel im Rahmen der Testfahrten mit dem Polestar 2.

Polestar 2
Durch Allradantrieb stellt Schneematsch keine sonderliche Herausforderung für den Polestar 2 dar

Polestar – das Unternehmen

Zunächst ein paar Worte zum Unternehmen Polestar, das in Österreich erst seit Herbst 2021 in Wien vertreten ist und noch nicht jedermann/-frau geläufig ist.
Polestar fungiert als unabhängiger schwedischer Hersteller für Premium Elektro Performance Fahrzeuge. Das Unternehmen wurde 2017 von Volvo Cars und der Geely Holding gegründet. Dadurch können Synergien mit Volvo genutzt werden. In Göteborg (Schweden) befindet sich das Headquarter. Polestar produziert seine Fahrzeuge derzeit an zwei Standorten in China – zukünftig soll auch in den USA gefertigt werden.

Im Produktportfolio: zwei leistungsstarke Elektroautos.
Polestar 1 (eine Kleinserie zwischen 2019 und 2021) als elektrischer Performance-Hybrid-GT mit Kohlefaser-Karosserie mit 609 PS, 1.000 Nm und einer rein elektrischen Reichweite von 124 km (WLTP) – dem besten Wert eines Hybridautos weltweit.
Polestar 2 als erstes vollelektrisches Volumenmodell des Unternehmens. Mehr davon im anschließenden Bericht.

Polestar 2
Sehr gut ist hier die Coupé-Form der sportlichen Limousine erkennbar

Coupé-Limousine mit klaren Linien

Von außen betrachtet gibt sich der Polestar 2 recht minimalistisch. Klare Linien zeichnen eine moderne Coupé-Limousine. Offensichtlich geht es hier mehr um Sportlichkeit, als um genüssliches Cruisen. Bereits die 19-Zöller füllen die Radhäuser gut aus. Wenn du es noch knackiger möchtest, greifst du zu den optional erhältlichen 20-Zoll Rädern – allerdings mit Abstrichen im Komfort. Bei einer Länge von ca. 4,6 Metern findest du den Polestar 2 in der automobilen Mittelklasse zwischen Audi A4, BMW 4er Gran Coupé, Jaguar XE und Tesla Model 3.

Innenraum-Design

Das klare Exterieur-Design setzt sich im Innenraum fort. Du findest diese Designsprache auch hier. Die wichtigsten Informationen zeigt das – eh klar, voll digitalisierte – Instrument hinter dem Lenkrad.

Polestar 2
Die Bedienelemente am Lenkrad erinnern an Volvo-Modelle – ein Beispiel für sinnvolle Nutzung von Synergien

Für die Steuerung des Infotainment-Systems, die Anzeige von Zusatzinfos und das Einstellen von Fahrzeugparametern bemühst du den Touchscreen in der Mittelkonsole. Ein kleines Schmuckstückerl – der Automatikwählhebel. Eine Komposition aus Kunststoff und Klavierlack mit leuchtendem Polestar-Logo. Schaut cool aus und liegt gut in der Hand.

Polestar 2
Der Automatikwählhebel zeigt ein außergewöhnliches Design und er liegt gut in der Hand

Google inklusive – Apple exklusive

Das Infotainment-System wurde gemeinsam mit Google entwickelt – Android Automotive OS. Es lässt sich sehr benutzerfreundlich bedienen und integriert Google-Tools wie Google Assisten, Google Maps und Google Play Store ausgezeichnet. Bist du in der Android-/Google-Welt zu Hause, dann fühlst du dich gut aufgehoben. Leider musst du als Apple iPhone User auf Apple Car Play (noch) verzichten. Mittel Software-over-the-air wird dies wahrscheinlich in absehbarer Zeit über ein Update ermöglicht – Ankündigungen dazu gibt es bereits.

Veganer Polestar 2

Grundsätzlich ist der Polestar 2 vegan. Nein, nicht von seiner Ernährung her gesehen (er ernährt sich von Strom), sondern von den verwendeten Materialien – nämlich WeaveTech für die Sitzbezüge. Das ist leichter, strapazierfähiger und einfacher zu reinigen als Leder (optional trotzdem noch bestellbar).

Polestar 2
Die Sitze sind mit einem veganen Material namens WeaveTech bezogen – fühlt sich gut an

Ausreichend Platz

Die Platzverhältnisse entsprechen denen eines Mittelklasse-Autos – ziemlicher Durchschnitt. Ebenso der Laderaum: 405 Liter hinten und 35 Liter unter der Fronthaube. Im vorderen Stauraum wirst du in erster Linie die Ladekabeln spazieren führen.
Der Kofferraum bietet ein interessantes Feature – eine aufstellbare Klappe, um den Laderaum abzuteilen und Gepäckstücke zu fixieren, damit sie nicht wie wilde Kobolde durch den Gepäckraum schurteln.

Polestar 2
Dieser Polestar bietet im Kofferraum eine praktische Lösung zum fixieren kleinerer Gegenstände

Kräfiger Antrieb

Bevor ich dir von den ErFAHRungen mit dem Polarbären berichte, noch kurz ein paar Worte zum Antrieb. Das Testauto hat eine 75 kWh Batterie im Bauch. Diese treibt zwei Elektromotore mit insgesamt 408 PS und 660 Nm an. Die Kraft wird auf alle vier Räder verteilt – also Allradantrieb. Das Leergewicht von ca. 2,1 Tonnen ist für E-Autos dieser Kategorie Standard.

Los geht’s – fahren wir

Wenn du dich mit dem Autoschlüssel ins Auto setzt genügt es die Bremse zu treten und den Automatikwählhebel auf (D)rive zu schieben – schon geht’s los. Nix Startknopf oder so – wozu auch. Die ersten Meter machen dir klar, der Polestar ist einer von den Durchtrainierten. Straffes Fahrwerk, direkte Lenkung, guter Fahrbahnkontakt,… Für ein 2-Tonnen-Fahrzeug kannst du dieses Auto flink und leicht über die Straßen bewegen. Auf kurvigen Landstraßen macht er wirklich großen Spaß. Einen guten Anteil am Wohlfühlen steuern die Sitze bei. Guter Seitenhalt trotz ausreichendem Komfort. So macht Kurvenwetzen Laune.

Auch auf der Autobahn macht der Polestar 2 ausgezeichnete Figur. Durch das straffe Fahrwerk bleibst du immer schön konzentriert – keine Spur von einlullendem Dahinschweben. Stop&Go im Stadtverkehrs ist das natürliche Habitat eines Elektrofahrzeuges. Hier wünscht du dir vermutlich ein etwas komfortableres Fahren und dass kurze Stöße besser gedämpft werden.

Reiche Weite

Die Reichweite wird lt. WLTP-Norm mit 470 Km angegeben. Je nach Fahrweise und Witterungsbedingungen wirst du mit ca 400 Km auskommen müssen. Und da niemand die Batterie komplett auszuzzelt, wirst du wohl eher mit 300-350 Km kalkulieren – ein bisserl Puffer schadet nie.

Polestar 2
Das übliche Ladekabelgewirr – hier im Frunk untergebracht

Ladepraxis

Zur Frage, wie lange ein Ladevorgang dauert habe ich folgenden Test gemacht. Bei einer IONITY Schnelllade-Station wurde die Batterie innerhalb von 30 Minuten von 25 % Kapazität und einer Restreichweite von 100 Km auf eine Kapazität von 68 % (Restreichweite 280 Km) aufgeladen. Wenn du flott unterwegs bist, kannst du in 30 bis 45 Minuten die Reichweite um 150-200 Km aufpeppen.

Polestar 2
Schnelles Laden – in 30 Minuten ca. plus 45% bzw. plus 180 Km

Fahrerassistenten gefragt?

Mit state-of-the-art Assistenzsystemen darf ein modernes Auto nicht geizen – so auch nicht der Polestar 2. Ein adaptiver Tempomat ist ja schon fast eine alter Hut. Der Spurhalteassistent funktioniert – wie auch bei den Volvo-Modellen – wirklich gut. Das System hält das Fahrzeug durch laufende Lenkkorrekturen recht konstant in der Mitte der Fahrspur. Andere Systeme lassen die Fuhre zwischen linkem und rechtem Fahrbahnrand hin und her geigeln, als wärst du alkoholisiert unterwegs. Kollisionswarner, Verkehrszeichenerkennung, Fahrerwarner und Notbrems-Assi sind weitere elektronische Helferlein, die dich tatkräftig unterstützen.

Polestar 2
Die Armaturen vor dem Fahrer präsentieren die wichtigsten Informationen klar und übersichtlich

Fazit des Redakteurs

Der Polestar 2 fährt sich sehr angenehm. Er wird eher den sportlichen als den gemütlichen Fahrer ansprechen. Im Vergleich zum etwa gleich großen Tesla Model 3 fällt die deutlich bessere Verarbeitung und die Verwendung hochwertigerer Materialien auf. Die Bedienung und Einstellmöglichkeiten sind verbesserungswürdig – im Vergleich zu einem Volvo den ich kurz davor auf Herz und Nieren testete. Tadelloses Fahrverhalten und mehr als ausreichende Kraftreserven machen Freude am Fahren. Optisch präsentiert sich der Polestar 2 als schnittige Coupé-Limousine. Alles in allem ein rundes Paket.

Polestar 2
Das Polestar-Logo stilisiert einen Stern – bewusst reduziert auf zwei gegenüberliegende Flügel

Daten & Fakten des Testfahrzeuges:

  • Fahrzeug: Polestar 2 Launch Edition
  • Motor: Elektro (Dual Motor)
  • Leistung kW/PS: 300/408 
  • Drehmoment Nm: 660
  • Kraftübertragung: 1-Gang Elektroantrieb
  • Antriebsart: Allradantrieb
  • Beschleunigung 0-100 Km/h: 4,7 Sek.
  • Höchstgeschwindigkeit: 205 Km/h
  • Reichweite (WLTP-Norm): 480 Km
  • Stromverbrauch (WLTP-Norm): 19,40 kWh/100 km
  • Testverbrauch: ca. 25 kWh/100 Km
  • Länge: 460,6 cm
  • Breite: 185,9 cm (inkl. Außenspiegeln)
  • Höhe: 147,9 cm
  • Radstand: 273,5 cm
  • Kofferraumvolumen: xxx-x.xxx Liter (7-/2-Sitzer-Modus)
  • Batteriekapazität: 78 kWh
  • Leergewicht: 2.113 Kg
  • Reifen: 245/45 R 19
  • Preis des Testautos: EUR 55.900,-
  • Sonderausstattung (in Launch Edition inkludiert): Plus und Pilot Paket
  • Online-Konfiguration des Testfahrzeuges: Polestar 2 Konfigurator

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Text und Fotos: Andreas Icha

Andreas Icha
Andreas Ichahttps://andreasicha.com/
Mein Name ist Andreas Icha und ich lebe in Wien. Der Auto-Virus wurde mir bereits in die Wiege gelegt - ich kann also wirklich nichts dafür. Meinen geschätzten Leserinnen und Lesern meine ErFAHRungen in Wort und Bild nahe zu bringen erfüllt mich mit großer Freude. Zahlen, Daten und Fakten zu einem Fahrzeug sind wichtig. Noch mehr Bedeutung messe ich den Emotionen und Gefühlen bei, die ich mit Vergnügen in Worte fasse. Die Marke Jaguar übt bereits seit Kindheit eine Faszination auf mich aus. Das darf ich als Vorstandsmitglied im Jaguar Daimler Sports & Touring Car club (www.jdost.at) ausleben. Die Grenzbereiche im Motorsport lerne ich beim Fahren mit meinem Schalt-Kart kennen (www.amphoraracing.wordpress.at)

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