Zum 100. Todestag von Camille Saint-Saens

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Der vermutlich einzige Universalist der Musikgeschichte

Was weiß man von Camille Saint-Saëns?

Jeder kennt vermutlich den „Karneval der Tiere“ vom Schulunterricht oder von einem Musikprogramm für Kinder. Das Standard-Beispiel für Programmmusik, so haben wir es gelernt.

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Doch wer war dieser Mensch?

Aufgrund seines Todesjahres 1921 gilt er als einer der großen Jahresfürsten von 2021. Von ihm behauptet der bekannte Impressionist Claude Debussy:

„Niemand kennt die Musik der ganzen Welt besser als Herr Saint-Saëns.“

Claude Debussy

Doch werfen wir einen Blick auf die Anfänge dieses wirklich außergewöhnlichen Menschen:

Er war ein Wunderkind

Camille Saint-Saëns 1846, bei seinem ersten Konzert. Wikipedia embedded.

Mit zweieinhalb Jahren konnte er bereits lesen. Mit drei Jahren hat er sein erstes Stück komponiert. Als Zehnjähriger gab er sein erstes Konzert. Er war aber nicht nur musikalisch begabt, sondern auch sprachlich. So übersetzte er einfach mit 7 Jahren bereits lateinische und griechische Texte.

Man möchte meinen, das ging nur mit strenger Disziplin. Weit gefehlt! Als er mit zweieinhalb Jahren Klavier zu spielen begann, hatte er bereits nach einem Monat die gesamte Klavierschule durchgearbeitet. Er schrieb selbst: „Man konnte einem Knirps wie mir natürlich keinen regelrechten Klavierunterricht geben, aber ich schrie so verzweifelt, wenn man das Instrument wieder verschloss, dass man es schließlich offen ließ und mir einen kleinen Hocker davorstellte.“

Doch die Lebensumstände dieses überaus begabten und fleißigen Kindes waren alles andere als rosig. Sein Vater starb, als er noch ein Baby war. Er wurde von zwei Witwen, seiner Mutter und seiner Großtante aufgezogen, die materiell kaum sichergestellt und voller bedrückter Erinnerungen waren, wie er selber schrieb. Camille war schwächlich, mager und blass. Er war nur zu Hause, durfte keinen Umgang mit anderen Kindern pflegen und auch nicht in die Schule gehen. Was für eine traurige Kindheit! Hochbegabt und emotional ausgetrocknet.

Camille blieb unnahbar als Mensch. In der Musik offenbart sich kaum die Seele des Komponisten. Die Musik bleibt kühl, fast wie am Reißbrett entworfen, akademisch, mechanisch.

Doch es gab etwas, wo seine Gefühle zum Ausdruck kamen:

Seine Liebe zur Orgel

Er war der wildeste, verrückteste und beste Orgelspieler, den Paris jemals gehört hat. Seine sonntäglichen Improvisationen waren so beliebt, dass sogar die Großen der musikalischen Welt kamen: Clara Schumann, Anton Rubinstein und Franz Liszt. Letzterer behauptete ganz lapidar: „Saint-Saëns ist der beste Organist der Welt.“ Organist war sein Brotberuf, den er 20 Jahre lang bis 1877 ausübte.

Camille-saint-saens am Klavier
Bild: Wikipedia ©CC

Er wurde aber auch für etwas anderes sehr bekannt.

Er förderte die französische Nationalmusik

Nach Beendigung des Deutsch-Französischen Kriegs im Jahre 1871 gründete er gemeinsam mit César Franck die Société Nationale de Musique, die nationale Gesellschaft für Musik. Sie hatte das Ziel, zeitgenössische französische Musik zu fördern, und kam so in Konflikt mit deutscher Musik. Wagner wurde immer beliebter in Frankreich und seine Kollegen wollten auch ausländische Komponisten in Frankreich aufführen. Saint-Saëns war dagegen und trat kurzerhand im Jahre 1886 aus dieser Gesellschaft aus.

Zusätzlich dazu förderte er auch junge Musiker und Komponisten. Allerdings war er äußerst kritisch. Er entmutigte nahezu junge Talente, da er meinte: „Man darf Anfängern nicht schmeicheln, sie zu früh glauben lassen, dass sie Meisterwerke geschaffen hätten.“

Erfolge und Misserfolge

Zunächst debütierte Saint-Saëns mit Symphonien. Danach kamen Opern, die wenig erfolgreich waren (abgesehen von „Samson und Dalila“. Mehr Glück hatte er mit seinen symphonischen Dichtungen.

Seine Erfolge oder Misserfolge bedeuteten nichts für ihn. Für Kritik oder Lob war er kaum empfänglich. Er schuf Musik wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbrachte

Sein Privatleben

So gut wie nichts ist über sein Privatleben bekannt. Gemäß vieler biographischer Zeugnisse scheint er eine große Liebe zu Kindern zu haben. So heiratete er 1875 eine 21 Jahre jüngere Frau und wurde bald Vater zweier Söhne. Doch beide Söhne starben noch im Kindesalter, der eine Sohn ist aus einem Fenster im vierten Stock gestürzt und der andere starb an den Folgen einer Lungenentzündung. Ein persönliches Drama, das keinerlei Spuren in seinem Werk hinterließ.

Dann blieb er noch 3 Jahre lang verheiratet. Schließlich verließ er seine Frau und kehrte wieder zu seiner Mutter zurück. Zu einer gesetzlichen Scheidung kam es nie.

War es Ruhelosigkeit?

1888 ist dann seine Mutter verstorben und es zog den 53-Jährigen in die Ferne. Von 1890 bis 1904 hatte er keinen festen Wohnsitz! Er lebte in Hotels, Zugabteilen oder auf Stränden. Er hatte zwar in Frankreich Erfolge, aber sein Verhältnis zu seiner Heimat blieb gespalten. Kurz nach dem Tod seiner Mutter ist er von Paris geflüchtet. In Südspanien entstand ein beeindruckendes Zeugnis seiner psychischen Krise, eines der erstaunlichsten Werke, das Camille Saint-Saëns je komponiert hatte, das Scherzo op. 87

Ein Universalist

Camille Saint-Saëns war in folgenden Gebieten sehr bewandt: Mathematik, Archäologie, Astronomie, Geologie, Biologie, Botanik, Philosophie. Er nannte diese Gebiete seine Steckenpferde, „ernsthafte Gedankenspiele“. In diesen Bereichen war er mit der Fachwelt in regem Austausch. Er galt als der letzte, wenn nicht der einzige Universalist der Musikgeschichte.

Was macht seine Musik aus?

Sehen wir uns 2 Zitate des Komponisten an, wird dies recht klar:

„Ein Musiker, den elegante Linien und schöne Klangfortschreitungen nicht vollkommen zufrieden stellen, hat das Wesen der Kunst nicht verstanden.“

Camille Saint-Saëns

„Die Kunst kann sehr gut ohne Empfindung auskommen.“

Camille Saint-Saëns

Kurz zusammengefasst, seine Musik ist genau gemäß den Regeln aufgebaut, aber emotionslos.

In fast 80 Jahren hat er über 300 Werke geschaffen: Bühnenwerke, Kirchenmusik, Vokalmusik, Orchesterwerke, Konzerte, Kammermusik, Klaviermusik, Orgelmusik und Bearbeitungen.

Man könnte seine Musik als heterogen bezeichnen, man findet Anleihen an vergangene oder zeitgenössische, an in- und ausländische Musik. Komponieren war für ihn einfach Handwerk.

Wenn man sich seine Musik anhört, klingt sie trocken und nüchtern – konstruiert.

In seinem Werk gibt es auch keine beobachtbare Entwicklung, wie etwa bei anderen Komponisten, wo man ganz klar Schaffensphasen erkennen kann.

Der größte Musiker des Landes und der „Karneval der Tiere“

1880 galt er als größter Musiker Frankreichs. Mit der Zeit aber verblasste sein Ruhm. Obwohl er sich für eine progressive französische Symphonik einsetzte, blieb seine Musik eher konservativ.

Eine große Ausnahme stellt das Werk „Karneval der Tiere“ von 1886 dar. Es hat den Untertitel „große zoologische Fantasie“ und ist eine Suite für Kammerorchester. Man findet darin Zitate von Offenbach, Rossini und Mendelssohn. Das war wohl auch der Grund, warum der Komponist es zu Lebzeiten nicht zur Veröffentlichung freigegeben hatte. Dieses Werk ist übrigens in einem kleinen österreichischen Dorf entstanden und kurz nach der Entstehung mit Camille Saint-Saëns als Dirigent uraufgeführt worden.

Ausschnitte aus diesem Werk findet man unter anderem bei den „Simpsons“, im Zeichentrickfilm von „Die Schöne und das Biest“ oder auch in Walt Disneys Zeichentrickfilm Fantasia 2000.

Wie empfindest du seine Musik?

Hinterlasse gerne einen Kommentar.

Liebe Grüße,
Gerd

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